• Genryu Dojo

Karate-Do - die Lehren der Meister



Ein eher unbekannter aber denoch einer der größten Okinawanischen Kampfkunst Karate-Meister des letzten Jahrhunderts war Toyama Kanken Sensei (遠山寬賢Tōyama Kanken; * 24.09. 1888 in Shuri, Okinawa; † 24.11. 1966).





Toyama Kanken Sensei

um circa 1934.

Er war unter anderen ein Schüler von Itosu Ankō Sensei,der sein Verständnis von Karate wie folgt interpretierte:

...das jeder Karate so trainieren sollte, als wäre er am Schlachtfeld...!

Ein weiterer Meister von Toyama war Yabu Kentsū Sensei,der wiederum sein Verständnis von Karate in einem noch heute sehr bekannten Zitat wieder spiegeln lässt:

Karate ist ein Weg zu Leben. Nur als solches bildet es einen starken Charakter und nicht über den Weg des Sportes. Im Sport entsteht ein Karate, das der Kampfkunst und des Menschen unwürdig ist. Karate übt man weder zum Spaß noch für einen Preis!“

Im Zeitalter der alten Meister wurde das geheime Wissen der Kata, der Kampftechniken und der Geschichte des Stils, nur vom Lehrer an seinen jeweils besten Schüler weitergegeben.

Meister wie Itosu Sensei oder Higashionna Kanryō Sensei hatten Kenntnisse aus dem Bubishi, ein altes chinesisches Dokument, mit einfachen Zeichnungen bebildert und schwer zu übersetzen. Es wurde lange Zeit geheim gehalten, und niemand weiß genau, wann es geschrieben wurde. Es besteht aus drei Teilen, die sich mit dem Baihequan (Weißer-Kranich-Stil), Anmerkungen über die Kunst des Kämpfens und die Behandlungen von Verletzungen mit Hilfe der chinesischen Kräutermedizin, beschäftigen.

Er, Toyama Sensei studierte die klassischen Texte des Konfuzius. Durch seine Bildung war ihm auch die moralische Entwicklung seiner Schüler wichtig. Für diejenigen, die Karate nicht vollständig verstehen, ist es nicht mehr als ein Mittel des Kampfes. Es gibt viele, die missverstehen, was Karate wirklich ist, denn echtes Karate führt zu einem Weg des Lebens und teilt mit Judo, Kendo, Aikido und sogar der Tee-Zeremonie oder der japanischen Blumensteckkunst (Ikebana) das gemeinsame Ziel, den Schüler durch körperliches und geistiges Training auszubilden und zu kultivieren.

Karate beginnt und endet immer mit Respekt, trainiere stehts mit dem Herz und der Seele. Was du mit dem ganzen Körper erfahren hast, an das wirst du dich für den Rest deines Lebens erinnern. Die Geheimtechnik beginnt mit Grundtechniken,Grundtechniken werden am Ende zu Geheimtechniken.

Ein Lieblingsschüler von Toyama Sensei, Hiramatsu Yoshihito Sensei, sagte über wichtige Kata und Techniken im Karatedo:

Im Karate gibt es viele Kata, aber heute weiß ich, dass jede Kata lediglich einer Fantasie entspringt. Wir brauchen nicht so viele Kata und Techniken. Die vielen Kata die wir heute haben, dienen lediglich der Modernisierung des Karate und um Graduierungen vergeben zu können. Aus meiner Sicht wären bei den Kata - Naifanchi und Sanchin ausreichend. Hohe Fußstöße und akrobatische Techniken sind Fantasie oder sie stammen aus einer anderen Kampfkunst, nicht aber aus dem Okinawa Karatedo!

Hiramatsu Sensei lehrte Karate nicht als Sport, er lehrte es als Weg. Er hielt nichts von Zertifikaten.Er sagte, dass sie nutzlos seien und das es das beste Zertifikat sei, seine Technik zu demonstrieren.

Selbstpflege des eigenen Lebens, dies umfasst die Kraft der Immunität, die Fähigkeit sich selbst zu regulieren, die Macht der Heilung und die Fähigkeit das Niveau der Gesundheit zu steigern. Maximale Effizenz bei der Nutzung von Energie sind Kokoro, Shin und Iki – die Vereinigung von Körper, Geist und Seele mit dem Herz in Verbindung mit Atmung,Tönen und Stimmungen. - Beobachte deinen Gegner aufmerksam, erkenne seine Stärken und Schwächen, achte auf deine Atmung und konzentriere dich genau auf das, was du tust. -

Toyama Sensei sein Unterrichtsstil war sehr bestimmt. Er erklärte und zeigte niemals Details einer Technik, so blieb den Schülern lediglich die Möglichkeik, seine Bewegungen nachzuahmen und brachte ihnen damit bei selbst über Karate nachzudenken.

Karate als Kampfkunst beinhaltet zwei Methoden go und ju. Geschmeidigkeit (ju) kann im Harten (go) gefunden werden und das Harte (go) kann in der Geschmeidikeit (ju) gefunden werden.

Im Training war ihm wichtig: Tanden tief, richtige Atmung und Beobachten (den ganzen Körper sehen).

Folgende Anekdote spiegelt Toyama Sensei und die Einstellung der anderen Meister zur Verwendung des Karate außerhalb des Dojos sehr gut wieder.

  • Eines Tages kam einer seiner Schüler zu ihm und erzählte, dass er in einem Kampf in der Stadt verwickelt worden war. Toyama Sensei sagte ihm: „Sie sollten nicht mehr hierher kommen.“ Sensei duldete es nicht, wenn einer seiner Schüler Karate außerhalb des Dojos einsetzte.

Zeit seines Lebens wollte er keinen eigenen Karatestil gründen, sondern er sagte: „Ein Name ist nicht mehr als ein Name: alle Stile sind prinzipiell gleich, ungeachtet der Namen, unter denen sie bekannt sind.“

Toyama Sensei starb im Alter von 78 Jahren. Er unterrichtete bis kurz vor seinem Tod aktiv im Dojo. Toyama Sensei sagte immer :

Mein Karate begann mit mir und soll mit mir enden“

In diesem Sinn hat er offiziell keinen Nachfolger bestimmt, wie dies viele der Meister schon vor ihm und nach ihm taten.

( (Auszüge aus dem Buch

The Heritage of Shudokan)

Osu!

Koshō Senpai

Pfefferkorn,Heiko



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